Meine Erfahrung mit Atemtechniken
Nach meiner Diagnose war ich wütend.
Wütend auf meinen Körper.
Wütend auf Ärzte.
Wütend auf die Aussicht, dass das jetzt „mein Leben“ sein sollte.
Ich begann zu recherchieren.
Nicht aus Neugier, sondern aus Trotz.
Im Internet stieß ich auf Atemtechniken – unter anderem auf die 4-6-8-Atmung und eine Atemmethode, die durch Wim Hof bekannt wurde.
Ich sah unzählige Videos, las Erfahrungsberichte und probierte es einfach aus.
Was mich überraschte:
Es wirkte schnell.
Nicht nach Wochen.
Nicht nach Tagen.
Sondern innerhalb weniger Stunden fühlte ich mich ruhiger.
Mein Herz schlug langsamer.
Mein Kopf wurde klarer.
Die innere Alarmbereitschaft sank spürbar.
Das war neu für mich.
Wenn Regulierung zur Disziplin wird
Mit der Zeit kippte etwas.
Aus „Das tut mir gut“ wurde
„Ich muss das jeden Tag machen.“
Sechs Runden.
Konsequent.
Keine Ausrede.
Was als Regulierung begonnen hatte,
verwandelte sich schleichend in Druck.
Und Druck ist für ein ohnehin angespanntes Nervensystem
kein Heilmittel.
Ich merkte irgendwann,
dass ich nicht ruhiger wurde,
sondern kontrollierter.
Das ist ein Unterschied.
Wie ich heute damit umgehe
Heute nutze ich Atemarbeit anders.
Manchmal mache ich drei oder vier Runden.
Manchmal tagelang gar nicht.
Ohne schlechtes Gewissen.
Wenn ich merke, dass mein System im Alarmmodus ist
und mein Alltag es zulässt,
nehme ich mir bewusst Zeit dafür.
Nicht mitten bei der Arbeit.
Nicht im Auto.
Nicht als Pflichtübung.
Sondern als Werkzeug.
Atem ist für mich heute kein Trainingsprogramm mehr.
Er ist ein Zugang.
Und manchmal ist der ruhigste Atemzug
der, der ohne Technik stattfindet.
